Basın Duyurusu (Almanca)

 Vergewaltigung zu Hause, auf der Straße und in öffentlichen Verkehrsmitteln

 

Wir warnen!

Die Einschränkungen der räumlichen und sozialen Mobilität von Frauen nehmen zu und die Gewalt im öffentlichen Bereich wird nicht verhindert. Nach dem Vorfall im vergangenen September in Istanbul, bei dem Aysegül Terzi in einem öffentlichen Bus von einem Mann getreten wurde, haben wir begonnen, die Aufgaben der Gemeinden in Frage zu stellen. Nachdem wir gestern erfuhren, dass ein Busfahrer im öffentlichen Dienst im Linienbus nach Etimesut eine Frau im Bus vergewaltigt hat und sie anschließend unter Drohungen freigelassen hat, sehen wir uns gezwungen, die Gemeinden daran zu erinnern, dass sie „auch für Frauen“ in der Pflicht stehen. Denn Gleichheit und Freiheit sind über ihre abstrakten und politischen Werte hinaus für das Erleben oder nicht Erleben konkreter Situationen wichtig für die Bürgerrechte und die Lebensweise von Frauen. Dazu haben Frauen etwas zu sagen.

 

In einem öffentlichen Verkehrsmittel wird eine Frau vergewaltigt und anschließend bedroht. Das beweist die Aussage von Özge Can, wonach die tagelange öffentliche Diskussion zur Überprüfung von Busfahrern oder der dazu Ermächtigten keine Ergebnisse brachte. Wir hatten den Vorstand des Dachverbands der Fahrer mehrfach gewarnt und ihm mitgeteilt, dass die Fahrer öffentlicher Verkehrsmittel einem psychologischen Test unterzogen werden und diesen nachweisen müssen. Wir wissen, dass die Verantwortlichen jetzt hektisch anfangen werden, ihre Unschuld zu beteuern. Dabei sind die Verbände der Fahrer schuld, weil sie die genaue Überprüfung der Fahrer unterlassen haben. Der Dachverband der Fahrer hat die Verbände der Fahrer nicht überprüft. Schuldig ist die Gemeinde von Ankara. Schuldig sind die Stadtverwaltungen von Gaziantep Sahhinbey, Denizli, Pamukkale, Kütahya, die demütigende Aussagen über Frauen schamlos verbreitet haben und die Menschen damit verwirrt haben. Schuldig sind Stadtverwaltungen wie in Malatya, die mit ihren rosafarbenen Stadtbussen für weibliche Passagiere den Frauen die Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zuschieben. Schuldig ist die Denkweise in staatlichen, von Steuergeldern finanzierten Fernsehsendungen, welche die Meinung verbreiten, Schwangere in der Öffentlichkeit seien eine Sünde oder bekanntgeben, “dass Frauen in der Öffentlichkeit nicht lachen sollen” Schuldig ist der fromme Eiferer, der behaupten darf, dass „in Hosen gekleidete Frauen Ungläubige seien". Schuldig sind alle, die nicht an die Gleichberechtigung von Frau und Mann glauben, dies bei jeder Gelegenheit öffentlich kundtun und damit Gewalt, Missbrauch und Vergewaltigung fördern. Die Türkei als UN-Unterzeichner der CEDAW-Konvention und als erster Staat, der das Istanbuler Abkommen unterzeichnet hat, ist hinter die internationalen Standards in der Frage der Gewalt gegen Frauen weit zurückgefallen und erfüllt seine Verpflichtungen gegenüber internationalen Abkommen nicht. Im Fall von Aysegül Terzi, die in einem öffentlichen Verkehrsmittel wegen des Tragens von Shorts misshandelt wurde, hatte der Premierminister Binali die Bemerkung gemacht, der in diesem Fall Beschuldigte hätte seinen Unmut gegen die Bekleidung der Misshandelten lieber nur leise äußern sollen. Als unser Frauenverband einen Tweet veröffentlichte, wonach solche Bemerkungen einen Dominoeffekt haben könnten, wurde ein Beleidigungsverfahren gegen uns eingeleitet. Wir sagen: Wenn die Bedürfnisse der Frauen weiterhin nur als zweitrangige Randerscheinungen betrachtet werden und wir uns nicht gegen diese Haltung auflehnen, wird die Gesellschaft dazu ermutigt Gewalt gegen Frauen, Misshandlung und Vergewaltigung hinzunehmen. Solange Gemeinden den Alltag von Frauen nicht erleichtern, indem sie ihre Position festigen, sich verstärkt für die Gleichberechtigung als Staatsbürgerinnen einsetzen und entsprechende Regeln aufstellen, werden Frauen in Unsicherheit leben und aus dem öffentlichen Leben verschwinden.

 

Alle öffentlichen Einrichtungen, die die Aufgaben der Gleichberechtigung nicht wahrnehmen und umsetzen, machen sich schuldig. Die Anzahl der Frauen, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, wird deutlich abnehmen. Aus diesem Grund stehen wir zu den Opfern und werden sie in ihrem Verfahren unterstützen und begleiten, damit Frauen frei und sicher öffentliche Bereiche und Verkehrsmittel nutzen können und ihre Rechte als Staatsbürgerinnen gewahrt werden.

 

Dies wird der Öffentlichkeit bekanntgegeben.

 

Canan Güllü

 

Vorsitzende des türkischen Dachverbands für Frauen

 

 

 

 

 

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